Auch eine einfache Fliege möchte jeden Tag erleben dürfen

Es ist zum verrückt werden. Nun bin ich gute 62 Jahre alt oder jung, wie man will. Und ich fühle mich wie ein Jugendlicher in der Pubertät?? Man sollte doch in dem Alter sowas wie weise geworden sein. Oder? Aber warum auch. Das Beste was einem passieren kann ist doch dass das Erwachsenwerden die schönen freien Ideen aus der Kindheit nicht ausradieren konnte. Denn als Kind, egal ob introvertiert wie ich und viele, oder extrovertiert wie andere und mehr, hat man in sich das Urgefühl für alles was schön ist und was gefällt. Nichts bringt einem davon ab dass ein Maikäfer ein herrlicher Freund ist, ob nun „Schornsteinfeger“ oder „Bäcker“. Je nach Antlitz und der Farbe seiner Fühler wurde er oder sie so genannt von uns. Ganz selbstverständlich, Ihr erinnert Euch?

Und jedes andere Kind wusste wovon man redet. Genauso die ganzen Grashüpfer, Marienkäfer, Molche, Stichlinge und alles was da kreucht und fleucht. Vor allem auch die Vielzahl der Schmetterlinge. Ein Paradies, jeden Tag aufs Neue.

Und dann irgendwann kommt man in die Schule und damit beginnt das ganze Desaster des Lebens. Ich habe schon oft das Gefühl gehabt, alles was dann kam war nur dazu da uns die Träume aus dem Gehirn zu radieren. Und wir waren gefangen in den Pflichten, in allem was man so zu machen hatte. Später in der Lehrausbildung ging es weiter und bei der Armee, bei mir die NVA in der DDR, wieder weiter. Danach mein Traumjob, Fotograf. Obwohl das gar nicht ging. Ich nie eine Ausbildung machen konnte und auch nicht studieren, obwohl ich mich auf drei Jahre Armeedienst verpflichtet hatte. Denn im Wehrkreiskommando sagte man mir klar, wenn Du nicht drei jahre gehst, kannst du nicht Fotografie studieren.

Nach den drei Jahren war mir klar dass ich auch so nicht studieren konnte. Denn es fehlte mir an Beziehungen. Alle zwei Jahre wurde in Leipzig immatrikuliert. 10 Plätze standen zur Verfügung, zu meiner Zeit. Davon bekamen Studenten aus den Staaten, die die DDR anerkannten, Afrika zum Beispiel, Studienplätze. Die zwei oder drei, die dann noch für unsere Leute waren, gingen an die, die ihre Beziehungen zu den Berliner oder Leipziger „Starfotografen“ gut „ausgebaut“ haben. Nun, mir war nicht nach schleimen und arschlecken, anbiedern und zu Kreuze kriechen schon gar nicht. Und so machte ich meinen Weg über die Tageszeitung, denn dort hatte ich mit viel Glück einen Job als Fotoreporter bekommen.

Und auch da war ich ständig unter politischen Druck. Die Stasi wollte meine Position auch gern nutzen. Die führte ich an der Nase rum und schmiss sie unmissverständlich raus. Komischerweise hatte das kein Nachspiel. Ich habe mich lange gewundert, dass ich nie abgeholt wurde, denn auch in der Redaktion war ich ein Querulant.

Nach der Wende dann eine andere Gesellschaft, neu für uns. Aber mehr nach meinem Verständnis, dass sich Qualität mehr durchsetzt als gute Beziehungen. Nun, heute weiß ich, man sollte beides beherrschen. Nichts für mich. Seit 1998 bin ich freischaffend, alles was ich kann und zeige habe ich mir selbst und hart erarbeitet. 2019 bin ich nochmal mit dem Leben davon gekommen. Und seit 2021 habe ich das Gefühl, das ich als Kind so selbstverständlich verspührte, wiedergewonnen.

Als ich endlich frei war, ganz frei. Und Patricia kennenlernte. Die genauso denkt und mich einfach ich sein lässt. Genau wie ich sie, sie sein lasse. Das absolut Wichtigste in einer guten Beziehung. Wir erleben zusammen die Welt wie Kinder. Freuen uns über Regenbögen, über Herbststürme, bunte Blätter, Grashüpfer, Schmetterlinge, Rosenkäfer. Über Bücher, Geschichten und Märchen. Und manchmal muss ich mich zwicken, weil ich denke ich bin selber in einem. Einem Märchen, denn so schön ist mein sein seit damals.

Wird Zeit zum Grund meiner vielen Worte zu kommen. Immer habe ich, weil mir kein Verlag, und kein anderer den Rücken stärkt und mir sagt, was ich machen soll und was gut ist, selbst Entscheidungen treffen müssen. Irgendwie muss der Mensch Geld verdienen, sonst klappt das nicht mit dem Leben. Und wenn man Frührentner ist wie ich, klingt das erstmal gut. Man kann jeden Tag machen was man will. ABER: Die Rente ist einfach so mies und unanständig niedrig dass es keinen Grund gibt, auszuruhen.

Will ich eh nicht, mache zu gerne Bilder. Aber ich muss weiter verkaufen, bin in der Pflicht. Muss sehen, dass meine Sachen irgendwie gekauft werden. Nichts mit Feiheit! Oder doch? Ich hab gelernt mit wenig und nichts klarzukommen. Bevor ich mich verbiegen muss, hungere ich. Und komischerweise geht das dann doch. Ich mache einen kleinen Kalender, mit Patricia zusammen. Und das wird ein absoluter Renner! Ich mache einen großen Kalender, von dem ich wenige nur noch frei verkaufen kann weil ich die Auflage, der Kosten wegen, klein gehalten habe. Und er ist schon fast ganz verkauft.

Also mache ich doch irgendwas so richtig richtig. Und nun, ENDLICH, beim Thema: Ich liebe die Mark Brandenburg. Ich fotografiere, sammele Erlebnisse im Zauberlicht, ohne Auftrag. Nur weil ich gar nicht anders kann. Und ich merke, zum Beispiel auf Facebook und meinem Blog hier, dass die Bilder viele Menschen positiv bewegen. Sie fühlen sich mitgenommen, bestätigt. Vielen geben sie Mut in sehr schwierigen Zeiten.

Es ist eben nicht nur die „Streusandbüchse“ wie sie Fontane nannte. Es ist ein großes und wunderbares Land. Voller Natur, schöner Städte und Dörfer, Flüsse, und tausende Seen. Ein Land in dem viele sehr gern Urlaub machen.

Aber, ich liebe auch die See. Schon immer, schon als Kind. See, Meer, Schiffe, Sand, Strand, Quallen, Muscheln, all das. Und ich freue mich über jede Reise, die ich mit meiner Lebensfreudegefährtin Patricia zusammen mache. Ob Poel, Darss, Rügen oder Amrum. Und ich möchte von allen berichten. Nicht in die Schublade „Brandenburg“ gesteckt werden, sondern überall wo wir uns wohlfühlen und Bilder in meine Kamera wandern. Da möchte ich mich ohne Schuld wohlfühlen und Bilder mit Erlebnissen sammeln.

Und Euch zeigen. Und ich hoffe einfach, dass Ihr das alles versteht und mir und meinen Seiten trotzdem treu bleibt. Denn, wenn auch keiner mehr ein Bild von mir liked, werde ich trotzdem das alles tun, was ich tun muss. Von innen heraus. Denn das hab ich schon als Kind getan und mich rundum wohlgefühlt. Und das mache ich weiter, bis zu meinem letzten Atemzug. Ich liebe das Land mit all seinen Überraschungen und hoffe, dass es eine gute Wende hin zu mehr Achtsamkeit der Natur gibt. Danke 🙂

Wunschfinder Regenbogen an der Elbe in der Lenzerwische
Morgennebelzauber im magischen Licht in der Lenzerwische
Herbstfarben am Liepnitzsee bei Wandlitz
Sonnenaufgang hinterm Deich auf Amrum
Sonnenuntergang bei bewegter See auf Amrum
Zaubersteine in ruhiger See auf Poel
Der beste Aussichtspunkt auf Poel
Zeesboot bei Althagen auf dem Darss
Wundervoller Abend bei Ahrenshoop
Frischer Morgen in Sellin auf Rügen
Rügen
Blick zum Gespensterwald von Nienhagen
Zweisamkeit auf Usedom
So wie ich die Ostsee liebe und dann auch Usedom lieben kann, natürlich

Subscribe to our newsletter!

6 thoughts on “Brandenburg oder die See, oder alles oder gar kein oder??

  1. Ich warte auf deine Bilder, durch sie lerne ich Brandenburg kennen, auch noch nach 20 Jahren, die ich hier lebe. Und oft inspirieren sie mich für eigene. Und auch ich liebe nicht nur Wald und Heide, auch das Meer! So freue ich mich sehr über wunderbare Augenblicke, von dir meisterlich eingefangen. Mir würde etwas wichtiges fehlen, gäbe es deine Bilder und damit dich nicht mehr. Mach weiter so, erfreue uns und damit auch dich. Danke!

  2. Ich mag die Fotos sehr, genauso wie die Bücher von Inseln und Bienen. Vermutlich inspirieren sie sich gegenseitig. Warum sollte nicht alles gehen, See und Meer Küste und Elbwiese. Interessant wäre auch eine Symbiose Buch und Kalender mit den Fotos von den Schauplätzen. Ich wüsste da mindestens 4 Personen, die ich mit solch einem Kalender glücklich machen könnte.
    Ich freue mich auf weitere Bilder und Bücher!

  3. Du wunderbar, ehrlicher Gutmensch, mach bitte bitte weiter. Deine Bilder beruhigen, lassen träumen, lassen versteckten Gefühlen freien Lauf.
    Fühl dich verstanden und respektiert. Danke.

    1. Gutmensch hat in der letzten Zeit so einen unguten Anstrich erhalten, weiß nicht so richtig, was ich davon halten soll. Ich bin einfach ich und lasse mich nicht verbiegen. Hat noch keiner geschafft und wird es auch nicht! Und ich hatte nie vor aufzuhören. Ein ehrliches Dankeschön von mir wenn Du das ernst meinst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert