Es ist nun schon einige Jahre her als ich vom Ministerium die Nachfrage nach ein paar aktuellen Fotos vom Schiffshebewerk Niederfinow erhielt. Ich hatte zwar Motive im Archiv, aber noch auf 6×7-Film fotografiert, gescannt, alt. Also ein guter Grund dem Bauwerk einen neuen Besuch abzustatten, neugierig war ich allemal drauf. Mittlerweile hatte ich mein Labor auch zugemacht, fotografierte mit meiner damals supermodernen (und teuren 😉 ) neuen FujiS2Pro, eine digitale Kleinbildkamera auf Basis der Nikon F80. War alles im Handling nicht so schick und gewöhnungsbedürftig, denn die hatte diesen „Tunnelblick“, ein technisch verkleinertes Sucherbild, um den Proportionen des kleinen Chips gerecht zu werden. Manchmal staunte man erst zu Hause am großen Bildschirm, was da noch alles im Bild war, weil man es im Sucher bei der Aufnahme gar nicht sehen konnte 😉 .
Heute nun sind mir bei meiner Suche im Archiv eben genau diese Motive vom Schiffshebewerk untergekommen, waren nicht so spektakulär denn das Licht war doch recht langweilig. Aber vorher…

Morgens im Oderland

Los ging es an diesem Tag schon „vor dem Aufstehen“, ich hatte mir vorgestellt dass das Schiffshebewerk im Morgenlicht doch mal ganz anders erscheinen könnte. So hatte ich es noch nicht gesehen, die Vorstellung im Kopf sah ganz gut aus. Wer schon mal in dieser Gegend, aus Richtung Eberswalde und Hohenfinow kommend, unterwegs war weiß dass kurz vor dem Bahnübergang von Niederfinow die Straße in ein kräftiges Gefälle übergeht und sich recht gebogen nach unten schlängelt . Der Tag dämmerte mittlerweile und der Himmel versprach einen gut aussehenden Sonnenaufgang. In der „Schlängelkurve“ dann, mein kurzer Blick nach rechts gen Osten, ich war sofort wie elektrisiert. Das ganze Tal lag bedeckt von einer wabernden Nebelschicht, die dabei war mit höher steigender Sonne sich aufzulösen. Das sah so gut aus, ich bin am Bahnübergang gleich umgedreht, das kurze Stück zurück gefahren und einen Feldweg als Parkplatz gefunden. Alles war trotz Himmelshelligkeit noch sehr dunkel, denn die Sonne war noch hinterm Horizont. So stolperte ich dann schnellstens mit Ausrüstung und Stativ über die Kurvenleitplanke und dann weiter den Hügel hinauf. Glück!! Sofort hatte ich den idealen Standpunkt gefunden, Stativ aufbauen, Kamera drauf, Drahtauslöser drangeschraubt usw. ging in Schnelligkeit und Routine ruck zuck.
Der Nebel war zum Glück gelassener als ich, blieb noch lange und so hatte ich genügend Zeit den Moment auszukosten und verschiedene Motive aufzunehmen. Gut dass ich dazu im Rohdatenformat fotografiert habe, die Qualität der Daten ist nicht vergleichbar mit denen heutiger moderner Chips, aber das war zu der Zeit die einzige Kamera, die schon 12 Megapixel „konnte“, das war für mich entscheidend beim Kauf. Mit den heutigen Rohdatenkonvertern ist sogar aus den alten Daten eine erstaunliche und deutlich bessere Qualität rauszuholen als damals. Und dass sie Nikon-Bajonett hatte war ein weiteres Argument, so konnte ich meine guten Objektive aus der analogen Zeit dort weiter verwenden. (Mache ich mitunter sogar heute noch aus Spaß an dem Pixel-Boliden D800 😉 ). Und gut dass ich für die Aufnahmen mein 2,8/35-70er Nikkor verwendet habe. Die Daten der alten Kamera, mit Nikkor aufgenommen, sind auch heute noch gut verwendbar, was man leider von den Sigma-Gurken, die ich hatte, nicht sagen kann. Aber das ist ein anderes Thema.

Der Himmel verfärbte sich ständig anders, ein Schauspiel, das ein Foto nur annähernd wiedergeben kann, das Erlebnis selbst aber vergisst man nie. Zwischendurch klickte ich meine 2,8/300er Telebrennweite an die Kamera, um wenigstens einmal auch die Szenerie zu raffen, zu konzentrieren. Daraus wurde die Sinfonie in Blau-Magenta. Leider war die lange Tüte zu der Zeit eigentlich schon Schrott, die Blende im Tubus schloss nicht mehr (Nikon war auch nicht mehr bereit das in Reparatur zu nehmen, zu alt 🙁 ) und so musste ich das schöne Motiv mit offener Blende 2,8 aufnehmen. Nicht perfekt, geht, aber so habe ich eben doch noch ein Bild davon. Dann war aber schon Hektik angesagt, keine Zeit mehr lange zu grübeln. Der erfahrenen Natur-/Landschaftsfotograf ist mit der Zeit in der Lage, kleinste Licht- und Farbveränderungen in der Szenerie wahrzunehmen und auf das Kommende daraus zu schließen. Kleine Lichtreflexe und ganz schnell sich ändernde zarte Farbvarianten kurz über dem Horizont kündigten den Sonnenball an. Das Zoom auf dem Body, alles bereit. Und dann kam IHR Auftritt… , einfach herrlich.

Ich zeige Euch diese Aufnahmen, weil ich finde, dass es einerseits schade wäre wenn sie ungesehen im Dschungel von Bits und Bytes versinken. Und andererseits um zu zeigen, dass wir hier ein gesegnetes Fleckchen Erde bewohnen dürfen. Manchmal einfach innehalten, die richtigen wertvollen Dinge sind Erlebnisse von solcher Schönheit, einfach und unbezahlbar.

2 thoughts on “Morgens im Oderland

  1. Mir scheint, der Internetauftritt hat sich verämdert, oder ich war zu lange nicht mehr auf dieser guten Seite. Deshalb hab ich erst mal für mich ein Lesezeichen gesetzt, damit ich nicht erst durch einen Link „erinnert“ werden muss, dass es sich unbedingt lohnt, öfters hier reinzulesen. Da ich die beschriebene Gegend gut kenne, oder sagen wir mal, gut gekannt habe, freue ich mich, meine Erinnerungen an das wunderschöne Stückchen Land aufleben lassen zu können. Danke für die guten Fotos und Beschreibungen. Es bereitet mir Vergnügen, hier zu blättern und zu lesen.

    Einen herzlichen Gruß und gute Wünsche für weiteres gutes Gelingen

    Jutta Konsolke

    1. Nun komme ich endlich dazu eine Antwort zu schreiben. Ja, mein direkter Internetauftritt „www.liebke-foto.de“ hat sich wirklich grundlegend verändert. Ich wollte für den Start-Titel einen Slider und jederzeit selbst an meiner Webseite was ändern können. So habe ich mich für WordPress auch für meine direkte Webseite entschieden. Für meine beiden Blogs arbeite ich ja schon länger mit WordPress. Ja auch da habe ich noch ein bisschen herumgepusselt. Also es passiert immer mal was Neues 😉 , lohnt sich sicher öfter mal vorbeizuschauen. Ich habe jetzt meinen Blog so eingestellt, dass jeder den Blog sozusagen abbonieren können sollte, kann das selbst leider nicht ausprobieren. Über Feedback, gleich welcher Art, bin ich immer sehr froh und aufgeschlossen. Für die nächste Zeit sollen dann hier öfter wieder neue Artikel mit Bild (oder umgedreht) erscheinen.

      Vielen Dank für die aufmunternden und lobenden Worte, herzliche Grüße
      Frank Liebke

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