Gedanken zum Thema Naturfotografie - Nebel in der Uckermark
Gedanken zum Thema Naturfotografie – Nebel in der Uckermark

Sonntag. Spätherbst. Grau. Eine Jahreszeit, die die Gemüter spaltet in ihrer Anschauung. Für die einen die schlimmste Jahreszeit, andere baden sich im Selbstmitleid. Aber Menschen, die die Natur wirklich lieben, wissen, dass alles dazu gehört. Sonnenschein, Regen, Wind, Sturm, Nebel und diese mitunter fiese gefühlte Feuchte, die gerade im Alter das Leben erschwert. Alles richtig. Die Kunst besteht darin, bei allem auf sein Herz zu hören. Glaubt mir, ich weiß wovon ich rede. Nahe am Abgrund, ist mir meines sehr treu geblieben. Hat mir neue Zeit geschenkt und erweckt mir neue Gedanken.

Und Entscheidungen. Mit Erfahrungen, die man gemacht hat und die damit einfließen. Heute mit meinen 61 Lebensjahren bin ich erstaunt wie anders vieles erhoffte und gewünschte gelaufen ist. Vor allem, was mir wirklich wichtig ist. Leben und lieben. Ganz einfach, und doch so kompliziert. Wenn man mit den falschen Leuten zusammen ist, ihnen vertraut. Und immer wieder so sehr enttäuscht wird, dass nur noch ein Panzer, eine harte Schale, das Weiterleben ermöglicht.

Was dann auch gut läuft, laufen kann. Oder man hat das Glück, völlig unverhofft und durch die nicht so guten Erfahrungen auch ungewollt, auf einmal DEN Menschen zu treffen, wo man immer mehr das Gefühl hat, das ganz sichere Gefühl, endlich angekommen zu sein. Zu Hause zu sein. Endlich. Ein so einfacher Begriff für das Größte überhaupt. Und auch davon weiß ich was ich rede, denn das ist mir nun passiert. Treue Liebhaber meiner Bilder werden es miterlebt haben.

Aber was hat das nun alles mit Naturfotografie zu tun? Eigentlich alles. Erst wenn ich mich richtig wohl fühle, bin ich in der Lage, außergewöhnliche Bilder einzusammeln. Und auch das ist nicht ganz wahr. Denn oft, in meinem früheren Leben, sind viele sehr gute Bilder im großen seelischen Schmerz entstanden. Wenn es in der Beziehung Krieg gab, und den gab es leider sehr oft. Dann bin ich oft abgehauen. Die Natur war mein Heilmittel, die vielen großen und kleinen Wunder, die ich draußen erleben durfte, haben mich immer wieder geheilt. Und zur Erinnerung habe ich sie in Bildform einfach mitgenommen. Um in ähnlichen Situationen meinen Trost zu finden in Dingen, die schon millionen Jahre lang so sicher passieren wie auch heute immer wieder.

Sei es der Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang. Die leichte Briese im Schilf mit den daraus entstehenden weichen Tönen. Der Drosselrohrsänger mit seinem „kirre kirre kieeet“, zuverlässig in jedem Frühjahr und Sommer. Weicher Schnee auf kahlen Zweigen verzaubert die Natur. Ganz zarte, aufbrechende Knospen von starken Bäumen im Wald künden unmissverständlich an, es wird Frühling. Stürme im Frühjahr und Herbst mit dicken Wolkenschiffen zeigen uns deutlich wie klein wir im ganzen Gefüge sind. Und wie schön das ist, es erleben zu können.

Einmal dabei könnte ich allein daraus ein Buch machen. Es ist soviel Poesie schon im Beobachten der Abläufe in jedem Jahr in der Natur. Und ich bin immer dabei. Mit meinen Nikons, meinen Objektiven, schönste Bruchteile davon für immer mit nach Hause zu nehmen. Mich in erster Linie daran zu erfreuen, es immer nachzuerleben. Und diese meine Schätze zu veröffentlichen. Zu zeigen, „he, so schön ist die Natur wenn man sie lässt!“. Und ich merke in den vielfältigsten Resonanzen in Facebook und meinem Blog, diese Bilder berühren auch andere Menschen.

Es gibt so viele Gleichgesinnte. Ich bekam Grüße von Menschen, die Schlimmstes erlebt haben und Trost in einem Bild von mir fanden. Menschen, die schon aufgegeben hatten im Leben und irgendein Bild hatte sie so angsprochen, angespornt, mit neuem Mut Neues zu beginnen. Ich könnte die Liste meiner Erlebnisse dazu endlos weiterführen. Bei über 12200 Fans bei Facebook kommen da viele Geschichten zusammen. Und das ist es, das macht glücklich.

Mich jedenfalls. Wenn ich mit meinen Seelenbildern die Seele eines Menschen berühren konnte und Hoffnung geben. Was kann es denn größeres geben? Nichts, für mich. Ich habe oft und lange gegrübelt, warum ich mein Desaster 2019 überlebt habe. Was die Ärzte fast für ein Wunder gehalten haben. Ich glaube, mittlerweile habe ich die Antwort gefunden. Und meine Aufgabe. Ich hoffe, ich habe noch genug Zeit dazu.

Und da bin ich noch bei einem Thema, was mir auch lange zu denken gegeben hatte. Es war ein Film über eine „Elite der Tier- und Naturfotografie“. So haben sie sich jedenfalls selbst zur Gründung gesehen. Und ja, der Film war lang, zwei Stunden. Gespickt mit sehr guten Aussagen und Bildern. Und dann wieder mit Aussagen und Dingen, die mir das gute Bier schal werden ließen. Zweifelhaft und eigentlich nicht gut für das Thema. Es ging um Bilder, die zu „Ikonen der Tierfotografie“ wurden. Schon diese Bezeichnung ist eigentlich fehl am Platze. Ikonen, anbetungswürdig.

Sicher, es gibt da sehr viele super Bilder, auch in dem Film, von ausgezeichneten Fotografen. Ohne Frage. Das einzige was mich daran stört ist eben wieder diese Jagd nach dem Einzigartigen und dem Erfolg. Ruhm und Ehre. Das ist der Ansporn. Es MUSS außergewöhnlich, neu und einzigartig sein. Und dann werden große Ausstellungen, Bücher und Multivisionen erstellt. Tiefe und lange Treffen der Mitglieder, bei denen natürlich viel Alkohol fließt, was dann auch süffisant minutenlang thematisiert wird.

Und es wird Göttern gehuldigt. Fotogöttern in diesem Falle. Wieder mal, ohne die geht es wohl im deutschen Lande nicht. Egal welche Ebene. Komischerweise geht sowas in anderen Ländern ganz anders. Fairer und ohne Dünkel.

Was mir auch sehr zu denken gab war die Aussage eines Mitglieds. Man muss was Besonderes zeigen, was so noch niemand gesehen hat. Wenn man Bilder macht, indem man einen See umwandert und dabei fotografiert, das ist nichts Besonderes, das hat ja jeder schon gesehen!

???

Und da ist bei mir dann doch Schluss. Ich sehe das so, ganz subjektiv. Erst mal hat es nicht jeder so gesehen, weil es immer anders ist. Und es kommt darauf an wer die Bilder mit welchem Zweck aufnimmt. Klar, wenn man unbedingt auf Ausstellungen mit Erfolgen und vor allem Preisen punkten will, dann ist das einfach zu banal. Wenn man aber die Natur wirklich liebt, wird so ein Rundgang zum tiefen Erlebnis, wie alles in der Natur. Und wenn man dabei in der Lage ist, das Erlebte mit der Kamera noch festzuhalten und interpretieren, dann erlebt der Leser und Beschauer dasselbe, mitunter seelisch tief. Und überdenkt sein eigenes Verhältnis zur Natur.

Um Missverständnissen vorzubeugen, ich achte alle die mit ehrlicher Absicht sich Stunden im Ansitz auf ein Tier in unbequemster Lage um die Ohren schlagen. Um dann schönste Momente zu zeigen, welche Wunder es noch in der Natur gibt. Aber wenn ich Aussagen höre, wie von einem „Guru“ der Zunft, selbst in einem von ihm verfassten Buch zur Tierfotografie: „Ich habe mir vorgenommen, heute mit Geparden zu arbeiten“. Dann weiß ich was da tickt. Jedem das seine, aber bitte auch die anders denkenden ihres lassen.

Und genau das wird von den Mitgliedern dieser Vereinigung leider nicht getan. Man ist eben Elite und gibt den Ton an. Und genau daran krankt in so vielen Bereichen vieles. Deshalb sind mir schon seit sehr vielen Jahren, gerade aber in letzter Zeit, solche Vereinigungen völlig suspekt. Dazu möchte ich einfach noch an so gute Leute erinnern, die heute leider nicht mehr präsent sind in der erdrückenden Macht der „Gurus“. Einer davon ist Helmut Drechsler, ein Pionier der Tierfotografie. Leider aus der „Ostzone“ (DDR), und damit raus. Aber auch ein Japaner, der für mich der Anstoß für meinen Weg war, neben dem Amerikaner Ansel Adams. Das ist der Shinzo Maeda. Er sah, genau wie ich, in den kleinen Dingen genauso wie in den großen, die eigentliche Seele der Natur.

Durch ihn beeinflusst erwarb ich in den 90ern meine erste Plattenkamera und ging im Briesetal auf Suche nach den Naturschönheiten. Und merkte, dass sie überall zu finden sind. Genau wie Drechsler schon der Meinung war, vor der eigenen Haustür geht das Abenteuer los. 🙂

Nun hoffe ich einfach, Euch nicht zu sehr gelangweilt zu haben. Um es ganz klar zu sagen, mir geht es nicht darum, meine von vielen „ernsthaften“ Naturfotografen belächelten Bilder zu rechtfertigen. Sondern ich hege die Hoffnung, dass viele Menschen sensibel sind für die wichtigen Dinge und Abläufe in der Natur. Und sich einfach freuen und es der Seele danach ein Stückchen besser geht.

Herbst im Briesetal, mit meiner Linhof-Technika auf 9x12cm Planfilm fotografiert
Herbst im Briesetal, mit meiner Linhof-Technika auf 9x12cm Planfilm fotografiert

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