Mein allererstes Bild mit einer Großformatkamera auf Planfilm 9cmx12cm. Eine wundervoll herbstleuchtende Buche im Stangenwald unweit von Oranienburg, in Oberhavel.

Als „Flömers Strömungen“ mich in jungen Jahren schon neu ausrichteten.

Mit einer unfassbaren Idee…

Unfassbar für mich weil damit die Option von Kleinbildkamera zu Großbild im Raum stand. Eigentlich unmöglich. Für mich! Denn da war ich noch recht jung, anfang der 30er. Den Kopf voller Bilder, Vorbilder, Wünsche. Hauptwunsch, berühmt zu werden als Fotograf. Unbedingt!! Denn ich war gut! Sehr gut, sogar!! Dachte ich… (denke ich sogar jetzt noch manchmal… 😉 😀 ).

Die Fotografie hatte ich selbst erlernt, jedenfalls alles was dazu gehörte, Bilder zu machen. Sie so zu präsentieren, wie ich sie schon bei der Aufnahme gefühlt habe. Denn genau DAS ist es, was einen guten Fotograf ausmacht. (Ausmachen sollte). Um das aber zufriedenstellend, für mich selbst, hinzubekommen, DAS war ein langer und dornenreicher Weg. Nach kleinen Erfolgen kamen immer die großen Enttäuschungen.

Jeder kreativ Schaffende, egal auf welchem Gebiet, kennt das. Wenn er oder sie es ehrlich damit meinen.

Angefixt zur farbigen Landschaftsfotografie wurde ich durch Rügen-Bilder von Klaus Ender. Abgebildet in einer DDR-Fotozeitschrift aus 1976.

Nach der politischen Wende waren meine Vorbilder in GEO und dann vor allem im National Geographic zu sehen. Nun hatte ich auch bald alles im Labor, um gute Abzüge im farbigen Großformat herzustellen. Trotzdem blieb da eine unterschwellige Unzufriedenheit, denn vom Kleinbildnegativ waren die auch von den besten Filmen nie so scharf und detailreich zu schaffen, wie ich mir das wünschte.

Bis ich Bücher vom Amerikaner Ansel Adams und vom Japaner Shinzo Maeda in die Hand bekam. Was ich da sah, haute mich schlichtweg um! Und da sah ich mit einem Mal genau, WAS ICH WOLLTE. Und gleichzeitig erinnerte ich mich an die ganzen Landschaften in meiner unmittelbaren Umgebung. In meiner Heimat Brandenburg. HIER hatte ich MEINE Erlebnisse, an die ich immer gern zurückdachte.

Also, was soll ich im Ausland, wenn ich mich in meiner Heimat doch am wohlsten fühlte und fühle? Das war der erste Entschluss, mein zukünftiges, schon immer Wirkungsfeld. Nun dazu das Werkzeug. Besagte Vorbilder fotografierten mit sprerrigen Großformatkameras. Umständlich und langsames Werkzeug. ABER: Die Negative, Dias, die Bilder. Wundervoll detailreich, farbig, herrlich.

In der Zweiten Hand, eine Anzeigenzeitung von Berlin, fand ich eine billige Linhof-Technikardan, dazu zwei Objektive und drei Planfilm-Doppelkasstetten 9cmx12cm-Format im Angebot. Sie war dann recht schnell mein neuester Partner und ich begierig, den Dinosaurier der Fotografie auszuprobieren. Ich füllte in der Dunkelkammer die Platten mit Fuji100-Diaplanfilm. Und gut ausgerüstet fuhr ich sehr früh an einem Herbstsonntag aus Oranienburg in den Wald. Auf der Suche nach Herbstfarben.

Und den ersten Ort fand ich im Stangenwald mit einer einzigen herrlichen Buche. Deren gelbe Herbstblätter mir entgegenleuchteten. Als wollte sie mich rufen. Im Autoradio lief dezent eins meiner klassischen Lieblingsstücke. Die Brandenburger Konzerte von Bach. Besser geht es nicht. Ich baute in Ruhe das Stativ auf, setzte die schwere Großbild drauf, mit dem 150er Objektiv. Was einem 50er für Kleinbild entspricht, also die sogenannte Normalbrennweite.

Ungewohnt mit dem schwarzen Tuch über dem Kopf, denn ohne hätte ich auf der Mattscheibe der Kamera nichts sehen können. Das war Fotografie pur. Ohne Ablenkung. Vorne Objektiv, dazwischen lichtdichter Balgen, hinten Mattscheibe mit Planfilmhalter. Nachdem ich alles eingestellt hatte, das Bild sah man ja, optisch korrekt, auf dem Kopf, genau wie eine Optik ein Bild entwirft. Da muss man schnell umdenken, um trotzdem das Bild im Kopf umzukehren.

Kurz gesagt, obiges Aufmacherbild war genau das, was ich da aufgenommen hatte. Das erste Bild mit einer Großformatkamera. Davon begeistert, (es machte unheimlich Spaß so zu fotografieren) fuhr ich zum Oranienburger Schlosspark, um ihn märchenhaft im letzten Nebel aufzunehmen. Damals war er noch offen und man konnte von der Kanalstraße aus auch gleich in den hinteren Teil gelangen.

Schlosspark Oranienburg in den 1990er Jahren

Und dann zum Briesetal, wo ich mich schon immer sehr wohl und der Natur nah gefühlt habe. Dort gelangen mir auch noch zwei ansprechende Bilder. Wie gesagt, das war alles in den 1990er Jahren. Die Dias habe ich eben reproduziert, die sind in den Farben immer noch wie damals erhalten geblieben.

Geliebtes Briesetal.

Und berühmt? Nö, war mir irgendwann sowas von egal, ich wollte nur noch meine Bilder und meine Bilderwelt. Denn die Welt war und ist so schön um mich herum, da werde ich nie müde, davon die vielen schönen Momente festzuhalten. Meine Bilder wurden aber damals doch im ersten Oberhavel-Bildband nach der Wende gut reproduziert präsentiert. Darüber hatte ich mich sehr gefreut!

Und seit etlichen Jahren produziere ich, und seit vier Jahren mit meiner Lebensfreudegefährtin Patricia Koelle zusammen, Kalender, Seelenbegleiter und bald auch einen Bildband einfach selbst. Dank der modernen Technik und guter Druckereien, ist das endlich gut möglich. Da brauche ich nicht mehr auf die Gunst irgendeines Verlags warten. Hab auch Kalenderangebote einfach abgelehnt als ich merkte, dass meine Bilder dort eher „vergewaltigt“ werden sollten, statt ansprechend präsentiert.

Und diese klare Linie, die Überzeugung und das Selbstbewusstsein erschaffen besondere Qualitäten. Unsere Verkäufe über unseren Shop nach ganz Deutschland, Österreich und in die Schweiz sind der beste Beweis. Denn unsere Welt, unser Land, unsere Heimat, sind schön…

Präsentation des ersten Oberhavel-Bildbands im Landratsamt Oranienburg. Mit dem damaligen Landrat Schröter (zweiter von rechts), dem Vertreter vom Buchverlag und Icke links. Foto: Franz Schwertner

Das Monster (links 😉 ) und ich. Damals noch mit Dauerwelle, denn meine Haare ließen sich nicht anders in Form bringen. Und war gerade Mode so. Heute mache ich mir darum keine Gedanken mehr, schon lange nicht. Die Linhof-Technikardan wurde bald von einer Sinar (Bild) ersetzt. Daran hatte man zur Bildeinstellung diesen flexiblen Lupenbalg. Das schwarze Tuch war einfach unhandlich. Und bei starken Wind kaum zu bändigen 😀 .

11 thoughts on “Wie es begann mit dem „Märkischen Licht“

  1. Guten Morgen lieber Frank, Erinnerungen wachzuhalten, ist ein guter Weg, „bei sich“ zu bleiben und die Gewissheit zu behalten, daß der beschrittene Weg genau der richtige war. Vielen Dank für Deinen Beitrag. Zu betonen, daß ich seit geraumer Zeit ein Liebhaber Deiner wunderschönen Fotokunst bin, ist mir wichtig. Brandenburg ist ein schönes Fleckchen Erde, mit Deinen heimatverbundenen Fotos, machst Du nicht nur mich, sondern auch viele Menschen froh und glücklich. Ich wünsche Dir weiterhin viel Schaffenskraft und alles,alles Gute. Liebe Grüße aus Felgentreu.

  2. Lieber Frank
    Deine Zeilen erwecken in mir Erinnerungen an meine eigenen Anfänge, Glücksmomente, Höhepunkte und auch Niederlagen bzw. Lehrstücke in der Fotografie. Angefangen mit einer kleinen Kodak Blechbox, an der ich noch jahrelang Freude hatte, weil sie kaum mehr Technik enthielt, als die gute alte Camera obscura. Danach eine Retina Reflex III von meinem Vater geborgt, später eine Zenza Bronica – mein erstes und letzte Mittelformat. Plattenkameras sind auch noch in meiner Sammlung, aber um sie auszuprobieren, fehlte mior leider die Energie, da ich beruflich anderweitig unterwegs war. Nach Ausflügen ins Vollformat, vor allem mit Canon bin ich nun bei der X-T5 von Fuji gelandet, die mir in ihrer enormen Auflösung und mit den einwandfreien Objektiven so viel Spass macht, dass ich wohl dabei bleiben werde.
    Fotografie hat mich immer erfüllt, und bei aller Freude und Begeisterung für gutes Werkzeug halte ich es mit Ansel Adams: „Die wichtigste Komponente einer Kamera sind die zwölf Zoll dahinter.“
    Die zwölf Zoll hinter deiner Kamera und das grosse Herz darunter faszinieren mich immer wieder. Danke für deinen immer wieder berührenden Blog!

  3. Ganz wunderbare Bilder sind da mit dem „Monster“ entstanden. 🙂
    Ich bin froh, dass ich dich im Netz mit deinen Bilder gefunden habe, denn sie zeigen wie schön unser Land ist und sein kann und ich hoffe, du teilst noch viele wunderbare Augenblicke mit uns uns.

    LG Frauke

    1. Dankeschön für den schönen Kommentar! Ja, das „Monster“ hat durch seine Langsamkeit eine fotografisch erzieherische Funktion, so ganz nebenbei. Man kann damit nicht einfach überall „draufhalten“, rumknipsen und später die paar mehr oder weniger gelungenen Bilder als die große Kunst präsentieren. Eine Packung dieser großen Planfilme war sehr teuer, zehn Stück Inhalt. Also nach dem Füllen der Planfilmkassetten hatte man zehnmal die Chance für ein gutes Bild. (Okay, ich hatte später mehr Kassetten, mehr Filme, dabei). Aber auch selbst zwanzig Stück sind „nur“ zwanzig Chancen. Dann muss man in die Dunkelkammer. Aber für mich waren es zwanzig Möglichkeiten. Ich war so fit in der Belichtung, dass ich, nur bei schwierigen Situationen mal zwei Schüsse benötigte. Sonst passte direkt einer. Da ist das Fotografieren fast schon in der Nähe von Meditation. Auf jeden Fall konzentriertes Schauen für ein eventuelles Motiv. Konzentration aufs Tun. Das Schöne dabei, DAS verliert man selbst jetzt nicht im digitalen Zeitalter. Vielleicht macht das ja auch zum Teil die Qualität meiner Bilder aus? 😉

      Gute Grüße, Frank

      1. Ja, da hast du sicherlich Recht. Wenn man es von früher gewohnt ist, sich wirklich noch viel mehr Zeit für ein Motiv und die Umsetzung nehmen zu müssen, dann hängt das nach.

        Wir haben es heute da ja viel einfach und ich erwische mich auch öfter, dass ich hinterher denke … „hättest du mal dies oder das besser bedacht vor Ort“. Da muss ich noch dran arbeiten, dass ich mir da mehr Zeit nehme, wenn ich mal Landschaft fotografiere.

        LG Frauke

  4. Wie ich mich freue, diese Bilder zu sehen. Das waren doch auch alles die Lieblingsorte von meinem Mann und mir.
    Was sind wir an der Briese gelaufen!!! Haben dort am Imbiss selbst gebackenen Kuchen gegessen und in der Nähe in einem umgedrehten Regenschirm Maronen gesammelt. Die Pilzsuche war nicht geplant. Wir haben nur gefunden😅.
    Schloss Oranienburg. Der Park ist ein Traum. Auch von dort habe ich tolle Erinnerungen. Genauso wie vom Mühlensee und dem Sumter See. Dort ist es so schön, dass mein Mann jetzt sogar für immer dort
    „wohnt“.
    Unser Havelland ist einfach HEIMAT.
    Ich sehe mir diese Fotos immer wieder gerne an.
    Auf dich aufmerksam bin ich geworden, als ich das Video von den tausenden einfliegenden Kranichen in Linum ( glaube ich) gesehen habe. So wunderschön, dass es gleich eine Anregung war um selbst eine abendliche Führung mitzumachen.
    Das zu erleben hat uns einfach überwältigt. Eine der schönsten Erinnerungen von einem Ausflug den wir je unternommen haben. 😌
    Alles Gute für dich und ich freue mich über viele weitere Fotos von dir.

    1. Liebe Barbara,

      ein ganz herzliches Dankeschön für diesen wundervollen Kommentar von Dir! Wenn ich solche lieben Worte zu meinen Bildern, zu meiner „Arbeit“ lese, wird mir richtig wohl. Denn ich freue mich jedes Mal darüber, wenn ich merke, dass meine Bilder andere Menschen genauso berühren wie mich, als ich vor der Wirklichkeit stand und versuchte, die Erlebnisse irgendwie festzuhalten. Denn ein Abbild ist immer nur ein Abbild. Aber wenn es Emotionen auslöst, ist was richtig gemacht worden.
      Es tut mir leid um Deinen Mann, aber ich finde, er hat sich einen guten „Wohnort“ ausgesucht. Denn genau dort möchte ich auch einmal ruhen, wenn ich die Möglichkeit bekomme. Nicht zu schnell bitte, aber wenn dann auch dort. Ich finde es sehr gut dass es die Möglichkeit nun gibt.

      Hier ist nochmal der Link zu den Kranichen, das war ja schon 2013. Die Qualität, na ja. Bin eben Fotograf. Aber Emotionen setzte es bei mir eben beim Anschauen auch wieder frei, danke für die Erinnerung.
      Alles Gute auch für Dich, danke.

      https://www.youtube.com/watch?v=5VNJvKbBXrU

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