Ich fasse es kaum, wie schnell die Zeit verrinnt. In diesem Jahr gibt es das 25-jährige Jubiläum zur Maueröffnung, im Nächsten dann das Fest zur offiziellen Maueröffnung in Hohen Neuendorf nach Berlin-Frohnau. Da ich Ende 1989 ein paar Wochen im Krankenhaus zubrachte, sind mir viele gute Fotomöglichkeiten buchstäblich „durch die Lappen“ gegangen. Aber danach war ich wieder in Topform, mehr noch, ich sprühte vor Energie und den Drang zu fotografieren. Zu der Zeit war ich noch festangestellter Zeitungsfotograf der „Märkischen Volksstimme“, zuständig für die damaligen Kreise Oranienburg und Gransee. Und da war der Termin der Maueröffnung in Hohen Neuendorf einer, den ich kaum erwarten konnte. Als Vertreter der Presse war es mir möglich, schon vor dem offiziellen Banddurchschnitt im „Niemandsland“ 😉 hin- und herzupirschen, die Nikons glühten fast, es gab Motive ohne Ende…

Es war ein seeehr kalter Morgen und zu beiden Seiten der Grenze sammelten sich unbeschreiblich viele Menschen, Leute die sehen wollten wie es „auf der anderen Seite“ aussieht, was da los ist und vor allem den Tag ausgiebig zu feiern. Ich werde diese Stimmung und Euphorie in dieser Zeit nie vergessen. Viel Neues, leider nicht nur Gutes, stürmte auf uns ein, die Wiedervereinigung dann im Sommer war wie ein Husarenritt, schnell kurz und, nein, schmerzlos sicher nicht. Die Welt, wie wir sie hier im Osten als normales Leben kannten, änderte sich schlagartig. Jetzt zurückblickend möchte ich sagen: Zurückhaben möchte ich die DDR nicht, aber Einiges vermisse ich schon. So ist es schon den Menschen vieler Generationen gegangen, man wird geboren, wächst in einer vertrauten Welt auf. Irgendwann hört das Spiel auf , man muss sich dem Leben stellen, man ist Erwachsen. Und dann, nach vielen Jahren gibt es Erinnerungen, Erfahrungen, gute und weniger gute, und manche die richtig Sch…e waren, auf die man verzichten könnte. Aber so ein „Systemwechsel“ wie wir ihn erlebten, war für viele echt hart. Da wurde eine ganze Menge Mist gebaut, den ich nicht gut heißen kann und will. Und immer wieder meistens zu Lasten der kleinen Leute. Na ja, die interessieren in diesem System ja auch nur wenn sie gut sind eine Wahlstimme abzugeben oder als Konsumenten des großen Überangebots von Dingen, die eigentlich keiner braucht. Und denkt von mir was Ihr wollt, in diesen Punkten lasse ich nicht (mehr) mit mir diskutieren, das sind Tatsachen, die sich nicht einfach wegwischen lassen.

Für Leute wie mich war die Wende aber auch ein Segen, so konnte ich mich doch in Bereichen entfalten, die früher fast unmöglich erschienen. Es war sicher nicht leicht, aber ich habe es geschafft schon seit vielen Jahren gut auf eigenen Beinen zu stehen. Was schade ist, ist die Tatsache, dass es auch heute viele Bereiche gibt, wo Beziehungen wichtiger sind als die Qualität der Leistung, in dem Punkt haben wir sogar in manchen ehemaligen DDR-Gebieten so etwas wie „Sozialismus mit Westgeld 😉 “ , also wo die Beziehungen nur dem schaden, der keine hat 😉 . Aber auch das kann man mit Beharrlichkeit und guter Arbeit umschiffen. Ich hatte nie den Wunsch wegzugehen aus meiner Heimat, die ich nun mal liebe, siehe „Märkisches Licht“, und so habe ich mit „meiner Herde 😉 “ auch meine Nische gefunden. Alles ist gut und zum Schluss zitiere ich noch einen Ausspruch, den ehemalige „Ossis“ sicher kennen, auch wenn jetzt anders als früher gemeint: „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“ 🙂 .

Die Fotogalerie zeigt zum einen die Grenze, als man das erste Mal herankonnte ohne belangt oder erschossen zu werden. Dann den anfänglichen Rückbau, den Ausbau der Straße nach Berlin-Frohnau und nicht zuletzt das Event der offiziellen Eröffnung durch die Bürgermeister von Berlin-Reinickendorf und Hohen Neuendorf, mit dabei der damalige Landrat von Oranienburg, der sich aber nicht sehr lange im Amt halten konnte. Da es viele Bilder sind und ich nicht alle „putzen“ wollte, sind Kratzer und Fussel leider immer wieder zu sehen, sorry. Aber da manche, die nie ´ne wirkliche Ahnung von analoger Fotografie hatten, für ihre digitalen Bilder PlugIns benutzen, die genau solch einen Dreck auf die Bilder bringen und das als Trend feiern, dachte ich mir kann es ja nicht so stören 😉

Am 3. November, also nächsten Montag, wird im Rathaus Hohen Neuendorf eine Auswahl aus diesen Bildern als Ausstellung eröffnet, worüber ich mich sehr freue und mit dabei sein will. Als Ehrengast wird unter anderem Walter Momper sein, der zur damaligen Zeit der regierende Bürgermeister von Berlin war. Hier mehr zu diesem Termin: Fest zur Maueröffnung

Und nun viel Spaß in meiner historischen Bildergalerie, vielleicht erkennt sich ja der Eine oder Andere 😉