Die "Goldelse" auf der SiegessäuleNach Hakenberg, Ostprignitz-Ruppin, wo die legendäre Schlacht bei Ferbellin tobte, wollte ich schon lange mal fahren und dem historischen Ort einen Fotobesuch abstatten. Das Wetter klarte auf und wurde gegen aller Vorhersagen ganz ordentlich. Und so fand ich die Siegessäule in Hakenberg entspannend Besucher-leer vor und konnte in Ruhe die Vergangenheit auf mich wirken lassen. Die Besteigung der Säule ist etwas eng und anstrengend, die Aussicht aber dann sehr schön.

Auf der Hinfahrt machte ich einen kurzen Abstecher nach Linumhorst, konnte dort ein gutes Foto der aufblühenden prächtigen Allee aufnehmen. Diese Linumhorster Straße wurde 2011 vom BUND zur Allee des Jahres gekürt.

Diese Linumhorster StraßeHinter Linumhorst sollte man das Auto am besten abstellen (außer man hat einen Jeep oder Trabi 😉 ) wenn man einen Besuch des Rhins in erwägung zieht. Bis zur Rhinbrücke und darüber hinaus ist die ehemalige Straße der Natur überlassen worden, die Löcher und Dellen darin so groß, dass sich ein Kleinwagen drin verstecken kann. Aber der Autoverkehr ist spätestens ab Brücke ohnehin tabu.

Der Rhin-Blick von der Brücke.Weiter kommt man durch den bekannten Storchenort Linum, wo die Störche schon fleißig sind und nicht nur klappern ;).

Storchenhochzeit auf der Kirche in Linum, Ostprignitz-Ruppin Die Kirche, Wahrzeichen von Linum, unter anderem Sitz der StörcheAber schon ein paar Kilometer weiter zeigt die Siegessäule das nahende Ziel an. Am kleinen Denkmal biege ich links ein und bin auf einer prächtigen Allee nach ein paar hundert Metern an der Säule. Gut, beim näheren Betrachten: Nicht ganz so groß und Pompös wie die Berliner Schwester, aber auch nicht ohne.

Die Siegessäule von Hakenberg, FerbellinDie Ortschronistin Margarete Rapp schreibt zum geschichtsträchtigen Ort, auf einer Tafel mit Stellungsplan am Parkplatz an der Säule verewigt:

„Die Schlacht bei Ferbellin in Hakenberg“
Am 18. Juni 1675 fand hier auf diesem Gelände die „Schlacht bei Ferbellin“ statt. Sie endete mit dem Sieg des kurbrandenburgischen Heeres unter Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620-1688) gegen die überlegenen Schweden. Obwohl der Dreißigjährige Krieg 1648 mit dem Westfälischen Frieden sein Ende gefunden hatte, schwelte der Streit zwischen Schweden und Brandenburg weiter. Der erneute Einfall der Schweden 1674 in Brandenburg war ein Werk der französischen Diplomatie unter Ludwig dem XIV., dem die Schweden verpflichtet waren, gegen alle seine Feinde Hilfe zu leisten. Der Kurfürst befand sich zu dieser Zeit im Rheinland im Krieg gegen die Franzosen und sollte hier abgelenkt werden. Bevor der Kurfürst mit seinem Heer Brandenburg erreichte, hatten die Schweden viel Zeit. Die ganze Region von Ruppin, Ferbellin, Kremen, Oranienburg, Nauen, Rathenow und Havelberg waren in ihrer Hand. In den besetzten Gebieten wüteten sie wie eine entmenschte Soldateska, die die Schreckensszenen des Dreißigjährigen Krieges noch in den Schatten stellten. Am 18. Juni 1675 erreichten die Brandenburger den hiesigen Kampfplatz mit einer Stärke von noch 5600 Dragonern und 13 Geschützen. Die Schweden dagegen verfügten noch über 4000 Reiter, 7000 Fußsoldaten und 38 Geschütze, ein sehr ungleiches Verhältnis. Nach stundenlangem erbittertem Kampf endete die Schlacht mit dem Sieg der Brandenburger. Auf dem hiesigen Schlachtfeld blieben 3000 Tote zurück. Der Sieg der Brandenburger bedeutete einen Wendepunkt in der brandenburgischen und europäischen Geschichte. Die damals noch als beste Streitmacht Europas geltende schwedische Armee wurde endgültig aus Brandenburg vertrieben.
Der Kurfürst Friedrich Wilhelm wurde zum „Großen Kurfürsten“ und erhielt fortan hohe Anerkennung in Europa. Man spricht von dieser Schlacht als dem Grundstein der Größe Preußens.

Soweit die Chronistin, Th. Fontane hat dieser Begebenheit ein ganzes Kapitel seiner „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ gewidmet.

Die Siegessäule von Hakenberg, Ferbellin Die "Goldelse" von Hakenberg, Ferbellin Sieggesäule Hakenberg, der Große KurfürstBlick von der Siegessäule Hakenberg ins Ruppiner Land Blick von der Siegessäule nach Hakenberg und das ehemalige Schlachtfeld Blick von der Siegessäule nach Hakenberg und das ehemalige SchlachtfeldEin kleines Denkmal, erbaut 1800, an der Landstraße und Einfahrt zur Siegessäule steht auf dem Standort des Durchbruchs der schwedischen Kampflinie. An der Stelle, wo die Siegessäule selbst 1875 erbaut wurde, standen die Geschütze der Brandenburger während der Schlacht. Und in der Hakenberger Dorfkirche soll sich eine Kugelsammlung aus ebendieser Schlacht befinden. Soll, weil ich sie selbst nicht gesehen habe, muss ich bei meinem nächsten Mal nachholen.

Zum Abschluss meines Besuchs strich das warme weiche Frühlingslicht noch einmal wunderbar über die geschichtsträchtige Landschaft, eine nunmehr friedliche Landschaft unter märkischem Licht.

Das warme Märkische Licht der Abendsonne über das nun friedliche Feld

4 Gedanken zu „Osterfahrt nach Hakenberg und Umgebung

  1. Hallo Frank,

    eine wunderbare Beschreibung “ Im Land Brandenburg unterwegs „. Habe wieder etwas dazugelernt.
    Goldelse inmitten der schönen Bilder, hat mir Freude bereitet.
    Vielen Dank. Mit freundlichen Grüssen
    Winfried Malareck

    • Hallo Winfried,
      danke für Deine netten Zeilen. Freut mich immer sehr wenn dass was ich schreibe und fotografiere gefällt. 🙂
      Viele Grüße Frank Liebke

  2. Sehr informativer Artikel und dazu die schönen Bilder. Man spürt hier die Liebe zur Region, was sich auch in den detailierten Beschreibungen wiederspiegelt. Für die Touristen ist das ein mehr an Informationen. Wir freuen uns, dass wir in unserem Informations- und Buchungssystem LOOK&BOOK die wirklich tollen Bilder von Frank Liebke zeigen dürfen. Der Link führt zu unserem Eintrag von diesm Denkmal.
    Mit freundlichen Grüßen
    Walter Kirste

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