Facebookfreunde haben auf meiner dortigen Seite vom Märkischen Licht schon einige Beiträge mit „only 50mm“ überschrieben gesehen. Nun bin ich wie fast jeder Fotograf ein ein wenig technikaffin und will mal einen (der wenigen) Technikbeiträge schreiben.
Interessant fand ich letztlich die Werbekampagne für die neue Nikon Df, eine Digitalspiegelreflex im Retrodesign. Das fand ich stark, auf den ersten Blick: Verliebt! Sieht ja aus wie meine alte mechanische Nikon FM2, meine erste Nikon im Jahr 1989! Schick! 
Df_ambience_5b , Foto © NikonAuf den zweiten Blick:Na ja…, nö! Im Kit mit einem stilisch hergemachten 50er Normalobjektiv zu einem Preis von knapp über 3000 €, NÖ!! Hat zwar die „Innereien“ der Profi-D4, aber ebenso nur 16MP. O.k., das würde ja reichen, aber ohne Video-Funktion, keine Möglichkeit einen Hochformatgriff anzusetzen. Ich hatte selbst für meine FM2 einen Motorgriff gekauft, um einerseits den Film schneller zu transportieren, wichtiger war mir aber die griffigere Kamerahaltung, gerade auch bei Hochformataufnahmen. Bei diesem Teil hier aber, nicht möglich. Also ich habe noch nie viel Geld ausgegeben um irgend etwas „herzumachen“, weder mit einem Auto, Handy… , schon gar nicht mit einer Kamera. Die so etwas anstreben haben ja nachweislich doch irgendwo anders Defizite 😉
Und für den Preis könnte ich mir glatt eine zweite D800 kaufen. Dann in der Kampagne das „herausragende Neue“, man kann mit der Df auch alte manuelle Nikkore ansetzen und damit wie in alten Zeiten, manuell!, fotografieren. Ach Gott (sorry 😉 ) , guter Werbegag, aber DAS ging schon mit der alten D200 von Nikon sehr gut! DAS war einer der Gründe weshalb ich einer der Ersten war, der sich die D200 damals nach Erscheinen an Land gezogen hatte. Eines meiner bekanntesten (und beliebten) Mohnfeldbilder wurde genau mit dieser D200 und einem alten manuellen 2,0/35 Nikkor aufgenommen. Die hatte durch den kleineren Chip eine Brennweitenverlängerung von 1,5 ; wäre also vergleichbar einer 50er Optik an einer Vollformatkamera. Zu der 50er komme ich schon noch 😉 .
Als ich 2008 meine erste D700 gekauft hatte nahm ich gleich an denselben Tag meine manuellen Brennweiten mit auf Fototour. Denn die passten super an das neue Gehäuse. Nun will ich aber das Technische hier nicht zum Übermaß vertiefen, gute Erklärungen dazu git es in diesem Blog von Norbert Michalke.
Und meine D800 kann das natürlich auch 😉 . Wenn man sich früher im vorigen Jahrhundert eine Kamera (für Film) kaufte, war immer gleich eine sogenannte „Normaloptik“ mit dran. Der Name kam von dem damit erfassten Bildwinkel, der wiederum entsprach in etwa dem normalen Sehwinkel des Menschen. Ich kann mich noch gut dran erinnern als ich endlich meine heissgewünschte ersparte Praktica L2 mit einem Tessar 2,8/50mm zu Hause hatte. Lange fotografierte ich damit auch ohne nur etwas zu entbehren. Wichtig war mir der Spiegelreflexsucher, man schaute durch, stellte (manuell, also mit Daumen und Zeigefinger) scharf auf das was man für wichtig hielt, und auf dem fertigen Bild war das dann genauso drauf. Man sah also schon sein Bild zweidimensional im Sucher. Später, als Lehrling noch, erhielt ich vom Leiter der Kreisbildstelle Staßfurt zwei Wechselobjektive geborgt, denn für diese Stelle erledigte ich ab und an Aufträge. Ein 35er und ein 135er. Mit der Weitwinkelei hatte ich es nicht so, brauchte eine Weile bis ich damit gestalten konnte und nicht nur „mehr auf dem Bild drauf“ hatte. Das leichte Tele war da schon interessanter, konzentrierte es doch den Blick noch mehr.

Jedenfalls war das 50er eine tolle Sache, entweder hatte man es drauf und bekam damit schon tolle Bilder hin oder eben nicht und man bekam nur belanglose Knipsbilder. Ein guter Lernprozess zum Bildsehen, Ausschnittwahl, Goldener Schnitt, Vordergrund-Hintergrund und eben das ganze Wissen um die Bildgestaltung.
Heutzutage kauft man eine Kamera entweder nur als Gehäuse, weil man schon genug Objektive hat, oder man bekommt ein sogenanntes „Superzoom“ mit riesigen Brennweitenbereich (billig, viel Plastik und nicht gerade dolle Abbildungsleistung) obendrauf. Damit braucht man sich dann kaum noch bewegen. Mit dem super Weitwinkel zeigt man gleich mal super weitwinklig mit gebogenen verzeichneten Linien, wo man so ist. Dann zieht man auf super Tele und pickt sich ein paar Teleschüsse raus, dann noch ein paar mittlere, fertig! Diese Ergebnisse kann man zuhauf in FB, Google+ usw. bewundern. Ich will darüber auch ehrlich nicht ablästern, freue mich mit allen, denen auf so einfache Weise heutzutage die Möglickeit gegeben ist Erinnerungen festzuhalten. Und man sieht ja, welchen Spaß das macht, so soll es schon sein.
Aber ich gehöre eben zu der Spezies, die sich Gedanken um jedes Bild macht, genau wie jeder Maler oder anderweitig kreativ schaffender Künstler. Ich habe mir zur besagten D800 schon des öfteren mein uraltes, aus den 70er Jahren stammendes 1,4/50er Nikkor aufgesetzt und bin damit ausgerüstet, ohne weitere Objektive, losgefahren oder spazieren gegangen. Nur mit dieser Ausrüstung, Beschränkung auf das Wesentliche. DAS lehrt mal wieder zu sehen, man hat wieder instinktiv sein Bild vor Augen, sucht Ausschnitte, Motive. Kein Tele, wenn man was näher haben möchte muss man eben näher rangehen 😉 , wenn was nicht draufpasst, weiter weggehen. Und wenn das nicht geht, sich noch mehr konzentrieren und doch noch ein Motiv finden. Das geht, sehr gut sogar. Denn entscheidend, die Kamera zu benutzen ist für mich schon immer das Licht gewesen (in meinen freien Arbeiten zumindest). Und hat man schönes Licht, findet man dazu auch ein Motiv. Ist sehr befreiend und macht Spaß. Außerdem, die Konzentration beim Scharfstellen mittels eines satt und butterweich laufenden Schärferings an einem alten mechanischen Objektiv aus Metall, sehr sinnlich 😉 .
Ja eins noch: Diese Optik hatte ich gebraucht in den 90ern von einem Nikon-Freak gekauft, der hatte an der Rückseite ein Stück abgefräst und damit eine Kerbe geschaffen, die für den Mitnehmer der modernen Kameras die richtige Einstellung zur Belichtungsmessung pro eingestellter Blende gewährleistet. Hier mal zwei Fotos der Optik, an der Rückseite ist die gefräste Kerbe zu erkennen.
Nikkor 1,4/50 Nikkor 1,4/50

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und hier noch ein Bild meiner heißgeliebten Nikon F2, auch in den 90er gebraucht erstanden. Hier ist diese 50er auch die zeitlich richtige Optik an der zugehörigen Kamera.

Nikon F2 - Location: Feldsteine am Fuß des Bismarckturms bei ZehdenickUnd so sieht es aus wenn supermoderne 36MP hinter eine Optik aus den 70er Jahren „gespannt“ werden. Die Linse bringt bei Abblendung erstaunliche Schärfe auch bei dem peniblen 36MP-Sensor, hat natürlich Defizite im Gegenlicht. Da fällt dann doch die Kontrastleistung etwas ab, aber ist auch da noch erstaunlich gut. Sogar nur abgeblendet auf 2,0 bringt bei vielen Motiven ein tolles Bild. Und irgendwie ist in den Bildern so ein eigenartiger Schmelz, sie „atmen“ irgendwie, es ist einfach nicht zu beschreiben. Es ist jedenfalls auch heute noch ein super Objektiv. Und Fazit: Ich kaufe mir doch lieber eine tolle Kamera mit allen Finessen, an der ich auch eine alte Optik setzen kann. Letztendlich kommt es ja aufs Ergebnis an. Ich würde meine D800 jedenfalls nie mehr eintauschen (höchstens gegen eine D810 😉 ). So wie sie hier steht, nehmen, losziehen und fotografieren, ist für mich Freude pur.
Nikon D800 mit manuellem Nikkor 1,4/50 aus den 70ernEin paar Bildbeispiele aus den verschiedenen Jahreszeiten habe ich natürlich dazugestellt. Es gibt ja doch viele, die lieber Bilder ansehen und nicht so gern lesen 😀 Viel Spaß dabei:
Frühlinghafter Blick auf Marwitz Sonnenuntergang in der Nähe von Tiergarten, Oranienburg Herbst am Oder-Havel-Kanal Oranienburg Herbst am Oder-Havel-Kanal Oranienburg Herbst am Oder-Havel-Kanal Oranienburg Herbst am Oder-Havel-Kanal Oranienburg, Blick nach Lehnitz Historisches Waisenhaus und Kirche Oranienburg Eine "Diva" im Abendlicht des Sommers Auch weiter geöffnete Blende geht gut... Knappster Ausschnitt im mystischen Licht, Nikolai-Kirche Oranienburg Bootspartie auf der Havel in Oranienburg Mutige Frühlingsblüher im Abendlicht

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