Bei Neuholland Januar 2003 mit FujiS2Pro, jpg

Bei Neuholland Januar 2003 mit FujiS2Pro, jpg

Stimmt! Das ist wie beim Maler, sein Pinsel macht dort auch das Bild 😉 , oder wie Helmut Newton einmal nach einem guten Essen in einem Restaurant vom Chefkoch angesprochen wurde „Sie machen sehr gute Bilder, sie haben sicher eine teure Kamera“ und Newton darauf konterte „Ihr Essen war ausgezeichnet, sie haben sicher sehr teure Töpfe“ 😀 Ja, das sind die Anekdoten, die ich so liebe.

Nun denn, klar, ohne Kamera kein Bild. Aber wenn man nicht in der Lage ist zu SEHEN, wird das auch nichts 😉 . Die Kamera ist das Werkzeug und richtig ist, mit einer qualitativ besseren Kamera hat man die MÖGLICHKEIT bessere Bilder zu machen, als mit einer Billigknipse oder einem Billighandy früherer Generation. Stimmt, die/der hinter der Kamera machen das Bild. Und trotzdem gehe ich soweit zu behaupten, dass jemand der in der Lage ist ein Motiv zu sehen und zu komponieren, ein besseres Bild mit einer „schlechteren“ Kamera macht als einer der nicht „sieht“ mit der hypermodernsten Supermegapixelkamera im Wert von mehreren tausen Euro. Alles relativ, ich weiß, denn als dritte Komponente kommt noch der Geschmack und als vierte das was man modern bezeichnet hinzu. Trotzdem gibt es viele Bilder, die allen modernistischen Strömungen zum Trotz ihren Wert fundamentieren konnten. Und wenn man die so näher betrachtet haben sie alle etwas gemein: Eine Komposition, eine Aussage.

Warum nun diese ausschweifenden Sätze? Ich bin oft in Blogs, auf den sozial-Diensten, auf Fotografenwebseiten unterwegs. Spannend neben hervorragenden Bildern wird es immer dann, wenn es die Möglichkeit gibt, Kommentare zu verfassen. Für mich am meisten, diese zu lesen 😉 Allerweltsbilder rutschen meistens kommentarlos durch, aber immer wenn man ein Hammerbild sieht kommen schnell die Fragen/Diskussionen zur Technik. Welche Kamera, Objektiv bla bla bla… . Am Schärfsten finde ich dann schon die detaillierteren Fragen zu ISO, Verschlusszeit usw. In den letzten Jahren oft noch die süffisante Feststellung „aha, ganz schön viel Photoshop!“ Komischerweise aber keine Frage zum Motiv, der Motivation. Oft aber dann noch die Bemerkung: „Ja, wenn ICH SO EINE Kamera hätte… „. Tja, was wäre dann?? Wärst Du bereit tagelang zur selben Zeit am frühen Morgen oder späten Abend zur selben Stelle, zum selben MOTIV zu fahren, Dir die Beine in den Bauch zu stehen, zu frieren, zu schwitzen, enttäuscht sein, resignieren um nie oder dann doch das EINE MAL dann Dein Bild zu bekommen? Wärst Du bereit stundenlang bei Regen oder Minusgraden oder in knalliger Hitze Kilometerweit durch Wald und Flur, bepackt mit kiloschwerer Kameraausrüstung und schweren Stativ zu Deinem Motiv zu wandern oder auf der Wanderung ein Motiv zu finden was dann ein Bild werden könnte? Die wenigsten sind dazu bereit. Ich könnte zu diesem Thema Bücher schreiben und vielleicht, nee ganz sicher, mache ich das auch mal. Nur soviel zum Abschluss: Ich bin davon überzeugt dass es Menschen, Fotografen oder Maler, gibt, die in der Lage sind, bevor sie überhaupt ein Werkzeug zur Bilderstellung benutzen schon Bilder in ihrem Kopf, sozusagen mit dem „inneren Auge“ wie es mal Ansel Adams treffend ausdrückte, zu sehen. Die nehmen dann das FÜR SIE RICHTIGE Werkzeug, um diese Bilder für alle sichtbar zu machen. Aber das geht nicht einfach so. Es bedarf langes, manchmal jahrelanges, jahrzehntelanges lernen und üben. Genau wie ein Konzertpianist nie das Üben vernachlässigen darf, sollte es der anspruchsvolle Bildhersteller auch nicht vernachlässigen seine Motive sehen zu trainieren. Auch wenn er dann nicht jedes mitnimmt 😉 . Und dieses Werkzeug wird für dem einen die analoge Plattenkamera, für den nächsten das Handy, die Nikon, Canon, Sony, PhaseONE oder was weiß ich noch sein. Und dem guten Bild wird es nicht anzusehen sein, da schaut keiner mehr ob der Grashalm rechts unten in der Ecke superknackscharf oder leicht unscharf ist. Denn das ist dann scheissegal (tschuldigung)!

Eins möchte ich mal vorwegnehmen, bevor hier einige denken ich halte mich für den Überflieger und gleich die nächste Neidwelle eine Runde macht. Das sicher nicht, aber ich weiß, das was ich mache, mache ich gut. Aber auch das kam nicht von ungefähr. Seitdem ich in den 70ern die Fotografie zu lieben begann, ihr verfiel, habe ich immer an der Qualität meiner Bilder gearbeitet. Habe mir wirklich alles selbst beigebracht, das ging in den späten 80ern sogar soweit, dass ich meine eigenen Farbentwickler selbst erfand und verbesserte, Chemikalien nach eigenem Rezept erstellte um bessere Farben aus den ORWO-Filmen und den FOMA-Papieren zu holen. Was auch sehr gut klappte, denn wie gesagt, man hat Bilder im Kopf und dazu gehören auch die Farben. Und da sind wir wieder in der Jetztzeit. Was damals so extrem kompliziert war ist dagegen heute sehr einfach geworden. Keine Dunkelkammer mehr, man sieht sein Bild schon unmittelbar nach der Aufnahme auf dem Display, kann sogar korrigieren wenn man sieht dass da was schief gelaufen ist. Und man hat auf dem Rechner Photoshop, ganz natürlich. Genau wie man früher in der Dunkelkammer einen Vergrößerer, Farbfilter und Entwicklungsschalen hatte, auch ganz natürlich. Und genau wie früher die Filme nie in der Lagen waren extreme Lichtgegensätze befriedigend darzustellen, genauso können das die heutigen Pixelboliden auch (noch) nicht. Ebenso wie man das mit Tricks früher beim Vergrößern auszugleichen versuchte, kann man das heute in sehr befriedigender Qualität. Aber dazu muss man auch heute noch immer genau wissen was man tut, soll heißen, ohne sich auf den Hintern zu setzen und die Grundlagen zu lernen wird das auch jetzt nichts. Da helfen auch keine Blogs oder Bücher von selbsternannten Gurus, die ihre Unwissenheit und „Ergebnisse“ (ich denke da nur als Beispiel an die extrem vermanschten und verbunteten sogenannten HDRs 🙁 ), ihr Halbwissen als den Stein der Erkenntnis verkaufen: „Nur anders sein ist gut, Hauptsache anders!!“ (Gott wirf Hirn vom Himmel). Und ja, jeder findet zu jeder Zeit immer seine Gefolgschaft, auch nicht neu aber kein Maßstab für Qualität 😉 .

Diese Gedanken sind mir heute durch den Kopf gegangen als ich in meinem Winterarchiv kramte. Da fiel mir auch das obige Bild, was mich zur Facebook-Frage verleitete, in die Hände. Ich besaß das erste halbe Jahr meine erste Digitalkamera, eine FujiS2Pro. Die hatte (interpolierte) 12Megapixel, das bedeutet eine Größe wo die lange Seite bei voller Offsetdruckauflösung von 300dpi 36cm maß. Das Ding (Gehäuse ohne Objektiv) kostete 3000,00 €, hatte einen Objektivanschluss von Nikon denn das Gehäuse basierte auf ein analoges Modell. Da der Chip 1,5mal kleiner war als der geläufige Kleinbildfilm mit 24cmx36cm (jetzige Vollformatdigitalkameras haben wieder dieses Format), hatten die benutzten Objektive diese scheinbare Brennweitenverlängerung von ebenfalls 1,5. Bei Teleobjektiven gern gesehen waren sie für Weitwinkel ein Greuel. Richtig Spaß machte das Fotografieren mir damit nicht, der Sucher war so klein dass man den Eindruck bekam man schaut in einen Tunnel wenn man da durch sah. Und damit dann Bilder komponieren? Ein Greuel. Und trotzdem gewöhnt man sich an alles. Ich arbeitete damit von 2002-2006, hatte von Kalender bis zum Bildband viele veröffentlichte Bilder damit gemacht. Speicherkarten waren damals lächerlich klein und nichtlächerlich teuer! Deshalb und auch weil das Wissen fehlte nahm ich in der ersten Zeit alle Bilder als JPG auf. Die Software in der Kamera machte je nach Einstellung ihren Job. Ich habe mir das Schneebild heute auf meinem 24zöller angesehen, bei 100%, ja, man sieht ein paar Artefakte. Aber mit meinem heutigen Wissen um die Bildbearbeitung konnte ich auch aus diesem alten Fot ein ansprechendes und technisch genügendes Bild herstellen. Wohl gemerkt, alles was jetzt zu sehen ist war schon immer zu sehen, schon immer da, Farbe und Kontrast auf den Augeneindruck leicht angepasst. Es lohnt sich, niemals ein Bild wegzuwerfen, wenn es ein Bild ist. Die technischen Möglichkeiten werden immer besser; man wird immer besser; dass technische Unzulänglichkeiten zu beseitigen möglich geworden ist, eben zu Gunsten des schönen Bildes. Und ich denke die besten Verbesserungen in den Kameras ist der enorm gewachsene Dynamikumfang der Chips bei immer weiter verbessertem Rauschverhalten, gerade in den Schattenbereichen und bei der Nutzung hoher ISO-Zahlen. So sitze ich gerade bei der Zusammenstellung einer Bildauswahl vom Weihnachtsmarkt für einen Kunden. Dort habe ich alles ohne Blitz fotografiert, teilweise mit ISO 5000 und mehr. Trotzdem ist eine enorme Schattenzeichnung zu sehen bei gleichzeitig kraftvoller Farbe. Und so bleibt die Stimmung, auf die es ja ankommt, erhalten. Hätte ich sowas schon in meiner Jugend gehabt…

Und so habe ich mir mal den Spaß gemacht, eine Auswahl aus meinem Archiv zusammen zu stellen. Der Jahreszeit entsprechend nur Winterbilder. Zu jedem Bild habe ich die technischen Infos dazugeschrieben. Ich denke, das zeigt, dass es wirklich egal ist, welches Werkzeug sein liebstes ist wenn man nur immer weiß was man tut 😉 In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß bei der Bild- und Technikschau 🙂 (wird sicher fortgesetzt… )

 

 

 

 

4 Gedanken zu „Die Kamera macht das Bild?

  1. Bin auch der Meinung das der Fotograf hinter der Kamera noch immer mehr Wert hat als jede Technik. Die eigene Vision umsetzen und danach das Werkzeug wählen.
    Gruß Jürgen

    • Hallo Jürgen, danke für Deinen Beitrag. Da triffst Du genau meinen Nerv, so sehe ich das auch. Übrigens schöne Bilder von Deiner Neujahrsfotowanderung. Hat ja gerade noch geklappt mit dem Licht 😉 Aber auch für mich ist es immer wieder toll einfach draußen zu sein, auch wenn das mal nicht klappt mit Bilderernte. Wünsche Dir ein gutes neues Jahr!
      Gruß Frank

  2. 🙂

    ich fotografiere leidenschaftlich gern. Aber die Fotos mit der Spiegelreflexkamera haben mir mehr Spass gemacht und waren um vieles besser!
    Auch wenn es stimmt…der Fotograf macht das Bild.
    In unserer schnelllebigen Zeit werden digitale Fotos zwar ihren Stellenwert behaupten können.
    Fotografien, richtig tolle..coole….machen nur die Fotografen.

    lg von manu

    • Hallo Manuela,
      sorry, die Benachrichtigungsfunktion scheint hier nicht zu funktionieren, habe Deinen Kommentar eben erst zufällig gesehen. Deshalb auch erst jetzt meine Antwort.
      Klar, das ist ein Thema, das reicht zur Stammtischdiskussion für viele Stunden 😉 . Darum kurz: Richtige Fotografen (wenn ich mich dazu zähle) haben das auch mal als Hobby begonnen. Und im Idealfall ist es auch ein Hobby geblieben, auch wenn sie damit ihr Geld verdienen. Dann und nur deshalb sind sie Profis, weil sie ihren Unterhalt mit Fotografie bestreiten. Ist mit allen Dingen so, wenn man sie mit Haut und Haar macht, wird es auch gut. Sicher macht ein „Könner“ mit einer kleinen Kamera oder Handy immer noch ein duftes Bild und manch ein „Blender“ bekommt das mit der teuersten Kamera nicht hin. Ein gutes Bild definiert sich eben nicht mit Schärfe und exakter Belichtung sondern beinhaltet immer ein Stück Seele, erzeugt Gefühle.
      LG von Frank

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